Länderspielreise der Altliga
vom 23.-25 April 2004 nach Thüringen

Altliga-Mannschaftsfahrt nach Thüringen: Ein Reisebericht

Teil 1: 4 : 2-Auswärtssieg beim SC Concordia Gräfenhain

Wenige Kilometer vom Austragungsort der diesjährigen Biathlon-WM in Oberhof entfernt gewann die Altliga ihr zweites Auswärtsspiel in dieser Saison mit 4:2 (3:2). Nachdem in der Vorwoche beim TSV Lütjenwestedt nach schwacher Leistung noch 2:3 verloren wurde, überzeugte die Mannschaft trotz der enormen Reisestrapazen und besiegte die Mannschaft vom Rennsteig, die seit mehr als einem Jahr ungeschlagen war, hochverdient.

Vor einer stattlichen Anzahl von mitgereisten Fans musste sich die Mannschaft nach vorangegangenem Stadtbesichtigungsmarathon in der schick renovierten Altstadt von Gotha (Thüringische Aussprache: Goodhaa) erst finden, weil die knapp bemessene Aufwärmzeit (der Spielort wurde erst einige Minuten nach geplantem Spielbeginn erreicht) dazu nicht reichte. Anfängliche Zweifel, ob Fußball an diesem Tag in diesem Zustand die für uns sinnvolle Beschäftigung sein sollte, bestätigten sich zunächst. Wir benötigten reichlich Unterstützung aus der Fankurve, wo die Spielerfrauen nach dem hastigen Genuss einiger Piccolöchen echte Fußballatmosphäre aufkommen liessen. Obwohl wir zunehmend das Spiel in den Griff bekamen, stand es nach diversen Fehlern im Defensivverhalten kurz vor der Pause 2:2. Zum Schluss war die „Concordia“ mit dem Ergebnis von 2:4 (Tore für den TuS durch Thomas Klammer (2), Volker Jaeger und Ingo Sienknecht) gut bedient.

Bemerkenswert zudem die Schiedsrichterleistung, der sich weder von Schwalben (Sönke Hansen) oder theatralischen Einlagen (Klemens Groth nach harmlosen Rempler) hinters Licht führen ließ. Auch die zahlreichen Abseitsstellungen (u. a. Ingo Sienknecht und Erwin Jensen) wurden von ihm konsequent gepfiffen.

Weiterhin waren auf dem Spielfeld beteiligt:
Otto Rückert (Mannschaftsführer), Christoph Naujok (Torwart), Jan Bubbers, Frank Melzer (trotz Magenverstimmung aber daher auch um drei Kilo leichter) (jeweils Abwehr), Uwe Mester, Holger Gründemann, Holger Kortum sowie Tobias Böttcher (alle vier linke Außenbahn) sowie Werner Westphal (Gastspieler eines befreundeten Vereins).

Zu den geschichtlichen und kulturellen Aspekten (und da gab es einige!) unserer Fahrt demnächst an dieser Stelle mehr. Aber an dieser Stelle schon jetzt vielen Dank an den Organisator der Fahrt - das macht bei uns auch der Teamchef - Stefan Döbbel. Die Fahrt war wunderbar (Thüringisch: wuunderbor).

Teil 2: Tour de Thüringen wurde zur Tour de Kultour

Am 23. April machte sich die 37 Personen starke Reisegruppe der TuS Nortorf-Altliga für ein verlängertes Wochenende auf den Weg vom Mittelpunkt Schleswig-Holsteins in die Mitte Deutschlands nach Thüringen. Die Fahrt in einem Reisebus der heimischen Firma Andresen ging über die A7 nach Göttingen, dann entlang der Werra über Eisenach in den Thüringer Wald nach Friedrichroda, dass von der Einwohnerzahl ähnlich groß wie Nortorf ist, aber nur wenn alle der mehr als 900 Betten des von uns besuchten Berghotels belegt sind. Übrigens: Thomas Klammer hatte extra für diese Fahrt seinen Reisepass verlängern lassen, damit er die Grenzkontrollen der Volkspolizei an der Grenze zu Thüringen übersteht; dass ist glücklicherweise seit 14 Jahren nicht mehr erforderlich.

Der erste kulturelle Höhepunkt folgte noch am gleichen Abend. Die Darbietungen der zwei Personen starken Live-Band, die Sonntagsnachmittag-Tanztee-Charakter hatte, ließen vom Sound her zu wünschen übrig, so dass der Gesang kaum zu verstehen war. Hier sprangen Tobias Böttcher und Frank Melzer in die Bresche. Sie waren bereits nach wenigen Takten der Musik in der Lage, uns gesanglich am Tisch zu begleiten.

Am nächsten Morgen galt es sich beim Frühstück zu stärken; wer das versäumte hatte schlechte Karten: Es stand ein Marathon auf dem Programm, der Stadtbesichtigungsmarathon von Gotha mit Marlies, die uns freudestrahlend über gefühlte 42,195 km durch Gotha und das Schloss Friedenstein führte. Wir vermuten im nachhinein einen plumpen Versuch des SC Concordia Gräfenhain uns zu schwächen, was – wie ihr bereits wisst – nicht gelang. Im Gegenteil, bei traumhaften Wetter genossen wir den Rundgang durch die restaurierte und renovierte Altstadt von Gotha. Wir lernten u. a. den Jahrhunderte alten Leina-Kanal und dessen Bedeutung für Gotha kennen. Nach vorzüglichem Mittagsbüfett lernten wir dann Ernst I. (Ernst der Fromme) kennen, der dafür sorgte, dass 1643 der Bau des Schlosses Friedenstein begonnen wurde, welches wir einschl. seiner Ausstellungen besichtigen durften.

Wer am Abend – trotz Marathon und Fußballspiel – noch nicht schwächelte (Ingo Ramlow war entschuldigt, nach der 0:2-Niederlage von Gladbach gegen Wolfsburg kam man normalerweise nicht feiern), sollte Zeuge von geplanten und spontanen Showeinlagen werden. Die Tanzeinlage von Heinz Kruppke sowie die dazugehörige Bauchtänzerin waren sehenswert. Ob die Showeinlage des dunkelhäutigen, durchtrainierten, kahlköpfigen, schlechtaussehenden Tänzers sehenswert war, bitte ich bei den weiblichen Fahrtteilnehmerinnen zu erfragen.

Bereits seit dem Vorabend bewegte uns die Frage ob der Holzmichel noch lebt. Dieses konnte bejaht werden. Beachtlich war jedoch die Aufmerksamkeit, die solche Fragen in Thüringen genießen. In den Hitparaden findet sich diese Frage mittlerweile deutschlandweit bereits unter den Top-20. Abgeschlossen wurden die Showeinlagen durch Rainer Granert, der sich in eine in höchstem Maße religiöse Tanzeinlage einer Gruppe des auch in dem Hotel wohnenden Faschingsvereins aus Sachsen zu den Klängen von „We will rock you“ von der Kult-Band Queen reibungslos eingliederte. Das sind echte Beiträge zum Abbau der Spannungen zwischen Ost und West. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, das die TuS Nortorf-Altliga bereits Jahre vor der EU-Osterweiterung Beziehungen nach Polen aufgebaut hat.

Bevor wir am nächsten Tag die Rückreise antraten, wartete die Wartburg auf uns. Deshalb heißt sie ja so. Aber hier wurde nicht nur gewartet, sondern hier hat man sich auch versteckt, z. B. Martin Luther, dem hier unter falschem Namen Unterschlupf gewährt wurde und der hier das Neue Testament vom Griechischen ins Deutsche übersetzt hat. Was für eine Arbeit. Wir dagegen durften diesen luftigen Ort ohne Gegenleistung wieder verlassen und genossen letztmalig die gute thüringische Küche in einem Langgasthof in der Nähe von Eisenach.

Wer gehofft hatte, auf der Rückfahrt ein wenig Schlaf nachzuholen, sah sich jedoch getäuscht. Die Kartenspieler, Zeitungsleser und Möchtegerndöser wurden durch rhythmisches Klatschen und sonstige Geräusche der überwiegend weiblichen Fangruppe im Mittelteil des Busses auf ihrer Heimfahrt nach Nortorf begleitet.

Fazit: Die Altligamannschaftsfahrt 2004 war eine gelungene Sache, aber das war eigentlich zu erwarten.

Sönke Hansen

Die Fotoserien
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